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Könnte der Dritte Weltkrieg in Südasien beginnen?

  • Autorenbild: Ahmet S
    Ahmet S
  • 11. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Manchmal frage ich mich, ob wir an der falschen Stelle nach dem nächsten großen Krieg suchen. Während viele bei einem möglichen dritten Weltkrieg an die Spannungen zwischen den USA und Russland oder China und den Westen denken, habe ich persönlich eher das Gefühl, dass der Funke in Südasien, also zwischen Indien, Pakistan und China, überspringen könnte. Klingt dramatisch? Sicher, und ich hoffe natürlich, dass es nie soweit kommt. Aber wenn man sich die Geschichte und aktuellen Entwicklungen in dieser Region anschaut, wirkt diese Sorge gar nicht so abwegig.



Eine lange Geschichte voller Konflikte


Indien und Pakistan sind seit ihrer Gründung im Jahr 1947 erbitterte Rivalen. Die Teilung des von den Briten beherrschten Indiens in zwei unabhängige Staaten, nämlich ein mehrheitlich hinduistisches Indien und ein muslimisches Pakistan, verlief blutig und hinterließ mit Kaschmir einen umstrittenen Landesteil, um den beide Länder bis heute streiten . Schon kurz nach der Unabhängigkeit brach der erste Krieg um Kaschmir aus. Es folgten weitere Kriege, etwa 1965 und 1971, wobei letzterer zur Abspaltung Bangladeschs (ehemals Ostpakistan) führte . Frieden auf Dauer brachte das alles nicht, höchstens einen Waffenstillstand entlang der sogenannten Line of Control (LoC) in Kaschmir.


In den 1970er Jahren bekam der Konflikt eine neue, beängstigende Dimension: Atomwaffen . Indien zündete 1974 seine erste Atombombe und leitete damit ein nukleares Wettrüsten auf dem Subkontinent ein; Pakistan folgte zwei Jahrzehnte später . Spätestens seit Pakistan Ende der 1990er Jahre nachzog, stehen sich zwei Atommächte Auge in Auge gegenüber. Direkt nach den ersten Nukleartests 1998 gab es zwar keinen offenen Krieg mehr (von dem kurzen Konflikt von Kargil 1999 abgesehen), aber sicherer wurde Südasien dadurch nicht . Im Gegenteil: Beide Seiten verlegten sich darauf, unterhalb der Nuklearschwelle militärisch zu pokern . 2019 zum Beispiel flog Indien nach einem Terroranschlag erstmals seit Jahrzehnten wieder Luftangriffe auf pakistanisches Gebiet, und Pakistan schoss tatsächlich einen indischen Kampfjet ab und nahm den Piloten gefangen . Man sieht, wie schnell es trotz atomarer Abschreckung zu gefährlichen Zwischenfällen kommen kann.




Pulverfass Südasien: Die aktuelle Lage


Doch Indien und Pakistan sind nicht die einzigen Spieler in diesem Drama. Auch China mischt mit. Mit China hat Indien ebenfalls eine heikle Vergangenheit. 1962 führten die beiden Länder einen kurzen Krieg im Himalaya, den Indien krachend verlor . Bis heute sind lange Grenzabschnitte zwischen Indien und China umstritten. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen in diesen Hochgebirgsregionen. 2020 starben bei einer brutalen Schlägerei im Galwan Tal erstmals seit Jahrzehnten wieder Soldaten auf beiden Seiten: 20 auf indischer und 4 auf chinesischer Seite . Diese Auseinandersetzung ohne Schusswaffen hat uns schmerzhaft in Erinnerung gerufen, wie explosiv das Verhältnis zwischen den asiatischen Giganten immer noch ist.


Brisant wird es vor allem, wenn man das Dreieck betrachtet: China und Pakistan sind nämlich enge Verbündete. Peking steht diplomatisch fest an der Seite Islamabads und spricht von einer regelrechten „Allwetterfreundschaft“ mit Pakistan . Die chinesische Regierung unterstützt Pakistan militärisch und technologisch, angefangen bei nuklearer Hilfe in früheren Jahrzehnten bis hin zu modernen Waffensystemen heute. So hat Pakistan in jüngsten Gefechten sogar chinesische Kampfflugzeuge gegen Indien eingesetzt . Für Indien bedeutet das im Ernstfall einen Zweifrontenkrieg: Sollte es zu einem Krieg mit Pakistan kommen, könnte China die Gunst der Stunde nutzen oder umgekehrt. Kein angenehmes Szenario, wenn man bedenkt, dass alle drei Länder Atomwaffen besitzen.


Angesichts dieser Konstellation verwundert es kaum, dass manche Experten Südasien als den gefährlichsten Krisenherd der Welt ansehen. Tatsächlich gibt es nirgendwo sonst drei direkte Nachbarn, die allesamt nuklear bewaffnet sind und in letzter Zeit gewaltsame Zusammenstöße entlang ihrer Grenzen hatten . Jeder Konflikt in dieser Region birgt die Gefahr, dass er außer Kontrolle gerät. Und wenn erst einmal Raketen über den Himalaya fliegen, wer kann dann garantieren, dass nicht andere Großmächte hineingezogen werden?


Am Ende ist dies natürlich nur ein Szenario von vielen. Vielleicht behalten die Optimisten recht und die Rivalen in Südasien finden Mittel und Wege, ihre Streitigkeiten friedlich zu managen. Dennoch habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich auf Indien, Pakistan und China blicke. Die Mischung aus historischen Feindschaften, territorialen Streitigkeiten, nationalistischer Rhetorik und nuklearem Wettrüsten ist wie Benzin, das nur auf den zündenden Funken wartet. Ein dritter Weltkrieg ist hoffentlich nur Fiktion. Aber wenn er doch ausbricht, halte ich es leider für durchaus möglich, dass er eher dort beginnt als anderswo.

 
 
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