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Gehört werden statt verloren gehen - Wie wir junge Migrantinnen und Migranten wirklich einbinden können

  • Autorenbild: Ahmet S
    Ahmet S
  • 13. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

In deutschen Städten wächst eine Generation heran, die oft zwischen den Stühlen sitzt. Es sind junge Menschen mit Migrationsgeschichte, viele davon Kinder oder Enkel von Zugewanderten. Sie wachsen hier auf, sprechen oft besser Deutsch als die Sprache ihrer Eltern, doch fühlen sich in beiden Welten nicht vollständig zugehörig. Sie sind deutsch, aber werden nicht als solche gesehen. Sie tragen die Herkunft ihrer Familie mit Stolz, aber stoßen auf Misstrauen. Und genau in dieser Zwischenlage liegt eine gefährliche Leerstelle.


Wer dauerhaft das Gefühl hat, nicht gehört zu werden, wer nie eingeladen wird mitzuwirken, der sucht sich eigene Wege. Manche ziehen sich zurück. Andere landen in Parallelmilieus, in denen Frust, Enttäuschung und Ohnmacht Raum finden. In manchen Fällen ist das ein Einstieg in kriminelle Strukturen. In anderen eine Radikalisierung, sei es religiös, politisch oder sozial. Dabei ist es nicht der Migrationshintergrund, der diese Prozesse befeuert, sondern das Gefühl, keinen Platz zu haben. Kein Gehör, keine Anerkennung, keine Zukunft in der Mitte der Gesellschaft.


Es ist nicht genug, in Festreden von Integration zu sprechen oder von Vielfalt als Reichtum zu schwärmen. Es geht um konkrete Verantwortung und diese beginnt lokal. Städte, Schulen, Jugendzentren und Hochschulen sind nicht nur Dienstleister. Sie sind Orte, an denen Zugehörigkeit erlebbar wird oder eben nicht.


Eine Schule, die die kulturelle Herkunft eines Kindes nur als „Problemhintergrund“ sieht, signalisiert: Du bist nicht wie die anderen. Eine Universität, die ihre Studiengänge nicht auf Diversität ausrichtet, verliert die Chance, neue Perspektiven in Forschung und Lehre einzubinden. Und eine Stadtverwaltung, die Migrantinnen und Migranten nur als Zielgruppe sieht, aber nicht als Partner, baut keine echte Beziehung auf.


Dabei ist der Handlungsbedarf klar. Studien zeigen: Jugendliche mit ausländischen Wurzeln erleben häufiger Diskriminierung im Bildungssystem, haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und sind unterrepräsentiert in politischen Gremien. All das sind keine individuellen Schicksale. Es sind strukturelle Lücken, die wir schließen müssen.


Was also tun? Es braucht Räume, in denen junge Menschen sich ausdrücken können und das ohne Angst vor Vorurteilen. Das beginnt mit Schulprojekten, die ihre Lebensrealität aufgreifen. Mit mehrsprachiger, kultursensibler Sozialarbeit in Brennpunktvierteln. Mit Mentorinnen und Mentoren, die aus ähnlichen Biografien stammen und zeigen: Du kannst es schaffen, du wirst gesehen.


Es braucht Jugendparlamente, die wirklich mitentscheiden dürfen. Ausbildungsprogramme, die interkulturelle Kompetenzen nicht nur fordern, sondern fördern. Hochschulen, die aktiv First-Generation-Students mit Migrationsgeschichte begleiten. Und Kommunen, die nicht nur über Integration reden, sondern Migrantinnen und Migranten echte Verantwortung übergeben wie zum Beispiel in Beiräten, Ausschüssen, Ämtern.


Besonders wichtig: Wir müssen aufhören, Jugendliche ständig erklären zu wollen, wie sie zu sein haben. Stattdessen sollten wir ihnen zuhören, was sie brauchen, was sie verändern wollen und was sie mitbringen. Denn sie bringen viel mit: Sprachen, Perspektiven, Resilienz, Lebenserfahrung. Wer das ignoriert, vergeudet nicht nur Talent, sondern auch eine Chance auf gesellschaftlichen Zusammenhalt.


Junge Menschen mit Migrationshintergrund sind kein Problem. Sie sind Teil der Lösung wenn man sie lässt. Wenn man ihnen nicht nur Plätze anbietet, sondern Vertrauen schenkt. Wenn man ihnen nicht nur zuhört, sondern mit ihnen gemeinsam neue Wege geht.


Die Verantwortung dafür beginnt im Kleinen. In Klassenzimmern, in Jugendtreffs, auf dem Campus, im Rathaus. Wenn wir dort anfangen, zuzuhören und ernst zu nehmen, dann bauen wir keine Parallelgesellschaften. Dann bauen wir Brücken. Und schaffen eine Gesellschaft, die nicht fragt, woher du kommst sondern wohin du gemeinsam mit uns gehen willst.

 
 
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